STADTMUSEUM WIL
Schweizer Scheiben, u.a.
auch Wiler, Nostell Church,
Wragby, England
Wiler Scheiben im Ausland
Tatsache ist, dass in Stadt und Land gegen Ende des 18. Jahrhunderts die farbigen Zeugen
freundschaftlicher Beziehungen von Haus zu Haus ihren Gefühlswert verloren hatten und hellen
Fenstern Platz machen mussten. Und als nach den napoleonischen Kriegen und während der
schlimmen Hungerjahre, die unsere Gegend heimsuchten, fremde Antiquitäten-Sammler unser
Land durchsuchten, fielen ihnen die als wertlos bei Seite gestellten Wappenscheiben gegen
geringen Entgelt in die Hände. Gerade für Wil und Umgebung haben wir hiefür Belege. Die
besondere Lage brachte es mit sich, dass eine größere Zahl von Glasgemälden dem eifrigen
Sammler J. N. Vincent in Konstanz zufiel, der 1816 seine erste Scheibe erstand; in seiner
Sammlung befanden sich 6 Arbeiten des Niklaus Wirt, 12 des Hans Melchior Hug und 8 des
Hans Caspar Gallati. Aber schon zwei Jahre früher hatte Jakob Rieter von Winterthur im Auftrag
des Fürsten von Wallerstein-Oettingen die Ostschweiz nach Glasmalereien abgesucht und dabei
eine schöne Wappenscheibe des Abtes Othmar und zwei Arbeiten des H. M. Hug für die
Sammlung in Maihingen erworben. Mit reicherer Beute kehrte der preußische Hauptmann Hans
Albrecht von Derschau, der in den gleichen Jahren unsere Gegend absuchte, nach Nürnberg
zurück; nach seinem Tode wurde seine ganze Sammlung 1825 von König Friedrich Wilhelm III. für
das im Bau begriffene königliche Museum in Berlin erworben. Die 5 Arbeiten des Niklaus Wirt
bilden eine der Hauptzierden der Sammlung im Schlossmuseum. Andere Stücke kamen auf
unbekannten Wegen in ausländische Privatsammlungen und öffentliche Museen, wobei
namentlich das Musée de Cluny sich auszeichnet durch einen stattlichen Bestand an
Toggenburgerscheiben von der Hand des Hans Melchior Hug. Als flottante Ware des
Kunsthandels wurden manche durch Auktionskataloge wieder bekannt und kehrten zum Teil mit
der Zeit wieder in die Schweiz zurück. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass durch das
Bekanntwerden weiterer Sammlungen, namentlich des Auslands, auch die Zahl der
Wilerscheiben noch vermehrt werden wird.
Bösch, Paul; Die Wiler Glasmaler und ihr Werk, Wil 1949..